Museumsreife Streetart

[vc_row][vc_column][vc_column_text]Schon vor 2005 erklärte die Verwaltung der Stadt Friedrichshains Südkiez zum „Millieuschutzgebiet“. Keine alten Menschen und keine „normalen“ Menschen schienen noch hier zu leben. „Eine Zweiklassengesellschaft“ erklärte mir damals der Polizist, in dessen Streifenwagen ich …

Veröffentlicht am 20. April 2015 · von Lilly Jäckl

Museumsreife Streetart
[vc_row][vc_column][vc_column_text]Schon vor 2005 erklärte die Verwaltung der Stadt Friedrichshains Südkiez zum „Millieuschutzgebiet“. Keine alten Menschen und keine „normalen“ Menschen schienen noch hier zu leben. „Eine Zweiklassengesellschaft“ erklärte mir damals der Polizist, in dessen Streifenwagen ich nach Marzahn mitfuhr, um das eingeschlagene Auto meiner Familie vom Parkplatz der Polizei abzuholen, „oben die Reichen unten die Armen.“ Streetart-Künstler, Bastler, Lebenskünstler, Leute, die nicht nur Inspiration, sondern auch Material von der Straße holen, sind hier zu Hause, wie z.B.  André Boitard aka Kusstoss. Er sammelt Müllreste, Papierschnipsel, weggeworfene Bierdeckel, Briefe u.v.a.m. und kreiert daraus oft in Kombination mit ungewöhnlichen Promi-Porträts ansprechende Bilder und Postkarten. Zahlreiche Künstler-WGs, Probekeller von Bands und Straßenmusiker tummeln sich hier neben gut verdienenden Kleinfamilien. Parallel dazu gibt es „Streetart-Führungen“ für gestresste Manager, die man dann auf Rollern oder Fahrrädern durchs Kiez gleiten sieht wie Aliens, die vorsichtig unbekannte Lebensformen observieren. Wo Hippie-Busse und damit eine Reihe alternativer Wohn- und Lebenskonzepte mittels eingeführter Parkgebühr und patroullierendem Ordnungsamt heute der Vergangenheit angehören, kontrolliert den Drogenkonsum im Party-Kiez rund ums RAW-Gelände nun dezent die Zivilpolizei und auch neue Dealer haben den Weg vom Görli hier her gefunden. Wo gerade rund ums Ostkreuz hochpreisige Wohnungen entstehen bzw. entstanden sind und sich eine neue Bevökerungsstruktur bildet, findet man (noch) einzigartige Perlen bildender Kunst auf Wänden, Bauruinen, Zäunen und Baustellen. An gewissen Wänden im Südkiez, wie z.B. an jener des INTIMES KINO (siehe Fotos) findet man noch Meisterwerke anonymer Künstler, die der Vergänglichkeit huldigen, und permanent überarbeitet werden. Friedrichshain ist gerade noch in einem Zwischenzustand, wo alternative Lebenskultur bereits ein Klischee zum Konsumieren geworden ist – wie ein hübsch gemachter Strand vor leergefischtem Gewässer hinter der Cocktailbar irgendeines Touristenortes – aber gleichzeitig auch noch authentische Arbeiten entstehen und Künstler die Straße für sich beanspruchen. Noch.[/vc_column_text][vc_gallery type="nivo" interval="0" images="16322,16323,16324,16325,16326" onclick="link_image" custom_links_target="_self" img_size="full"][/vc_column][/vc_row]